Einblicke in meine Werkstatt

Mein Metier sind aber Übersetzungen und meine Werkstatt beschränkt sich auf mein Gehirn. Natürlich könnte ich Sie mit unappetitlichen Bildern von den Gehirnwindungen eines Menschen erschrecken oder mit Erläuterungen zum Zusammenspiel von Großhirn, Kleinhirn & Co. langweilen. Und der Frage, ob meiner Kreativität am Ende ganz banal eine besonders günstige Konstellation chemischer Vorgänge zu Grunde liegt, möchte ich hier auch nicht nachgehen.

Meine Kreationen sind weniger ansehnlich als ein schickes Designersofa oder ein schönes Gemälde. Wer würde sich schon eine Übersetzung gerahmt an die Wand hängen? Aber meine Kreationen haben innere Werte – sie sind Unikate und nur für Sie nach Ihren eigenen Vorstellungen und Wünschen gefertigt.

Auch in der Medizin und noch mehr in der Pharmazie sind Texte wichtiger und aussagekräftiger als Bilder. Wer würde ein Arzneimittel kaufen, nur weil die Pille so schön bunt ist oder die Tablette so herrlich glänzt? Nein – es geht um Inhalte, und die können nur über Texte transportiert werden.

Das Röntgenbild wird erst durch den Bericht des Radiologen für ein ungeübtes Auge klar. Nach dem Klinikaufenthalt erhält der Hausarzt einen Entlassungsbericht für seinen Patienten. Das Kernspintomogramm des Bandscheibenvorfalls allein reicht zur umfassenden Information nicht aus. Der Hausarzt möchte schließlich wissen, wie, wie lange und mit welchem Erfolg der Patient therapiert wurde.

In der klinischen Forschung können Studienergebnisse zwar grafisch dargestellt werden, aber ganz sicher verstanden werden sie nur durch den Begleittext. Piktogramme sind schön und gut. Aber kann man sichergehen, dass der Patient diese Anweisungen wirklich richtig versteht und die Tablette nicht mit einem Glas Milch oder Grapefruitsaft (die beide die Wirkung von Arzneimitteln beeinträchtigen können) sondern mit Wasser einnimmt?

Texte sind wichtig und unentbehrlich. Und so nötig wie die schriftlichen Informationen sind, so nötig ist es auch, die Sprache optimal an die Zielgruppe anzupassen.

Hier komme ich ins Spiel. Durch die Kombination meiner sprachlichen Fertigkeiten und meines medizinischen Wissens bin ich in der Lage, eine Operationsanleitung mit den passenden Fachtermini und Ausdrucksweisen so zu übertragen, dass der Operateur sich beim Lesen in seiner gewohnten sprachlichen Umgebung wiederfindet.

Die Patienteninformation zur selben Operation hingegen passe ich ohne unverständliche Fachausdrücke dem Wissensstand des Patienten an.

Diese unterschiedlichen Texte und Zielgruppen sind das Salz meiner Arbeit und immer wieder eine neue Herausforderung für mich, die ich nicht mehr missen möchte. Mein Ziel ist, dass sich die Welt – im wahrsten Sinne des Wortes – versteht, und ich leiste mit meiner Arbeit meinen bescheidenen Beitrag dazu.